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Lafo in Love

14. November 2011

Rosa Luxemburg, circa 1908

Die Jüdin Rosa Luxemburg - Vorbild für die Jüdin Sarah WAGENKNECHT

Wagenknecht und Lafontaine

Deutschland ist um ein spektakuläres Politpärchen reicher: Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht, der mächtige Silberrücken und die Rosa-Luxemburg-Wiedergängerin. Ein Überblick.

Turnhalle Brebach, Parteitag der saarländischen Linkspartei, Samstagvormittag. Am Ende seiner Rede, gleichsam im Postscriptum, lässt Oskar Lafontaine die Rakete steigen. Drei Sätze füllt er in den Tank. „Ich lebe seit einiger Zeit getrennt und bin seit einiger Zeit mit Sahra eng befreundet. Das war’s dann auch. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“ Alle Nachfragen von Journalisten bleiben erfolglos, Lafontaine und Sahra Wagenknechten sagen tatsächlich kein weiteres Wort. Aber sie tun, was sie zuvor absichtlich und streng vermieden hatten: Sie lassen sich gemeinsam fotografieren. Der Napoleon von der Saar und die schöne Kommunistin. Er im Anzug, sie im Kleid. In beiden Gesichtern ein sanftes Lächeln. „Lafo in Love“, die Schlagzeile des Samstags, hatten beide wohl schon vor ihrem Outing erahnt.

Seit Jahren wird in Berlin über eine Beziehung zwischen Lafontaine und Wagenknecht getuschelt. 2009 publizierte der „Spiegel“ den rotzfrechen und mit sexuellen Anspielungen gespickten Satz: „Die Kommunistin Sahra Wagenknecht, intime Kennerin von Lafontaines Positionen und nicht nur in Streitfragen mit ihm auf Augenhöhe, verlangt wie er regelmäßig französische Verhältnisse.“ Wenig später wurde die Affäre politisch. Der „Spiegel“ interpretierte sie als einen Grund für Lafontaines Rückzug aus Berlin. Seine Frau Christa habe ihm die Leviten gelesen und ihn zur Heimkehr nach Saarbrücken gezwungen, hieß es sinngemäß. Große Empörung im „Palast der Sozialen Gerechtigkeit“ (Volksspott über Lafontaines Villa), Lafontaine konterte, indem er seine Krebserkrankung öffentlich machte. Deswegen sei er aus der Bundespolitik ausgeschieden, ließ er mitteilen.

Er will zurück, sie nach oben

Zwei Jahre sind seither ins Land gegangen. Lafontaine ist wieder vollauf genesen und joggt so oft er kann. Die Linkspartei jedoch liegt am Boden; die beiden Vorsitzenden Klaus Ernst und Gesine Lötzsch haben sich in unnützen Debatten über Luxusautos und kommunistische Utopien verhakelt; bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Bremen kam die Linke nur mit Glück über die Fünf-Prozent-Hürde. Um den zerstrittenen Haufen wieder in die Offensive zu bringen, ließ zuletzt auch Fraktionschef Gregor Gysi erkennen, dass er ein Comeback Lafontaines für wünschenswert hielte. Der Saarländer schwieg dazu – protegierte aber seine Vertraute Sahra Wagenknecht. Sie wurde stellvertretende Partei- und Fraktionsvorsitzende, außerdem ist sie nach wie vor als mögliche Parteichefin im Gespräch.

Wagenknecht, 42, eine hoch gebildete und hoch intelligente Einzelgängerin, inszeniert sich bis zum Überdruss als Wiedergängerin Rosa Luxemburgs – lange Röcke, hochgesteckte Haare, messerscharfe Analysen. Sie war Chefin der kommunistischen Plattform der Linken, mit ihren DDR-freundlichen Zitaten trieb westdeutsche Konservative auf die Barrikaden. Ostalgie und Utopismus hat sie mit den Jahren weitgehend abgelegt, gleichwohl vertritt sie einen radikal linken Kurs, der Koalitionen mit SPD und Grünen praktisch unmöglich macht. Das ist ganz im Sinne Lafontaines, der die ideologische Unschuld der Opposition den Kompromissen der Regierungsarbeit vorzieht. Gegen diese Haltung streitet der Reformerflügel der Linken, angeführt von Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow. Beide befürworten Regierungsbeteiligungen, weil sie auch umsetzen wollen, wovon sie den lieben langen Tag reden.

Ein mächtiger Fürsprecher

Für Wagenknecht ist die Beziehung zu Lafontaine politisch zweischneidig. Einerseits muss sie fürchten, als „Lafos Zivi“ (FDP-Spott) wahrgenommen zu werden. Andererseits hat sie mit Lafontaine den mächtigsten Fürsprecher innerhalb der Partei. Privat droht beiden wohl weniger Ärger. Dem Vernehmen nach ist Lafontaines dritte Frau Christa Müller schon vor Wochen aus dem „Palast der Sozialen Gerechtigkeit“ ausgezogen. Lafontaine hat mit Müller einen Sohn, Carl-Maurice, der seine Warholschen 15 Minuten hatte, als er 1999 auf den Schultern des Vaters saß, als dieser seinen Rücktritt als Bundesfinanzminister erklärte. Wagenknecht ist offiziell ebenfalls verheiratet, und zwar mit dem Dokumentarfilmer Ralph T. Niemeyer. „Als Sahra mir von Oskar erzählte, so kam dies für mich nicht als ein Schock, sondern gewissermaßen erwartet“, schreibt Niemeyer in seinem Blog. „Hätte sie mir allerdings gesagt, es handele sich bei ihrem Schwarm um Helmut Kohl, dann hätte ich mich mit einem Luftgewehr airschossen“

 
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