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UBS – Dem Zocker Kweku Adoboli drohen zehn Jahre Haft

17. September 2011
UBS headquarters in New York, 1285 Avenue of t...

Image via Wikipedia

Es kommt nicht oft vor, dass Investmentbanker Schwäche oder Gefühle zeigen. Umso ungewöhnlicher muss den Zuschauern des Londoner Magistrate Court der Auftritt von Kweku Adoboli am Freitagnachmittag vorgekommen sein.

Es kommt nicht oft vor, dass Investmentbanker Schwäche oder Gefühle zeigen. Umso ungewöhnlicher muss den Zuschauern des Londoner Magistrate Court der Auftritt von Kweku Adoboli am Freitagnachmittag vorgekommen sein.

Tränen kullerten über seine Wangen. Mit einem Tuch versuchte er sie sich aus dem Gesicht zu wischen. Smart sah er aus mit seinem blauen Pullover und dem weißen Hemd, aber auch geläutert. Zu der Anklage auf Kapitalbetrug wollte sich der 31-jährige UBS-Händler nicht äußern, der am Donnerstagmorgen festgenommen worden war. Adoboli bestätigte lediglich seinen Namen und seine Adresse, schwieg jedoch zu den Vorwürfen.

William Pit bewunderte seinen Nachbarn, Kweku Adoboli. Der 31 Jahre alte afrikanische Banker schien seinen Erfolg in der Londoner City in vollen Zügen zu genießen. Beide Männer waren Finanzspezialisten, Pit war Chef einer Venture-Capital-Gesellschaft, dafür arbeitete Adoboli als Händler für die Abteilung „Alpha One“ bei UBS. Die beiden fachsimpelten miteinander vor der Tür ihrer Luxusappartements, Adoboli immer exzellent gekleidet, flotte junge Frauen an der Hand, Vorlieben für Reisen, Sport und guten argentinischen Wein.

Pit dachte sich nichts weiter dabei, als Adoboli ihm vor kurzem das Buch „The Wolf of Wall Street“ mit den Worten in die Hand drückte: „Toll zu lesen!“ Der Roman ist die schlecht geschriebene Geschichte von Jordan Belfort, ehemals Makler, der durch betrügerische Aktiengeschäfte Millionen abkassierte und später fast zwei Jahre im Gefängnis saß.

Der Richter ordnete an, dass der Ghanaer bis zum 22. September in Untersuchungshaft bleiben muss. Ihm wird vorgeworfen, die Sicherheitsmechanismen seines Arbeitgebers, der Schweizer Großbank UBS, ausgehebelt und mit unerlaubten Transaktionen einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro aufgehäuft zu haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Gericht entscheidet: UBS-Trader bleibt in Haft - In Handschellen: UBS-Trader Kweku Adoboli nach seinem Auftritt vor Gericht

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Nicht nur für sein eigenes Leben wird der Skandal schwere Folgen haben. Auch die Bank muss sich unangenehmen Fragen stellen. Wie war es möglich, dass Adoboli die Sicherheitssysteme austricksen konnte? Und wieso musste er sich am Ende selbst stellen, weil auch nach Tagen oder vielleicht sogar Wochen kein Risikoprogramm Alarm schlug? So berichtete es zumindest die BBC, laut der Adoboli am Mittwochnachmittag selbst seine Vorgesetzten informierte. Einige Stunden später verständigte die Bank die Behörden. Am Donnerstagmorgen wurde Adoboli dann verhaftet.

Kweku Adoboli vom Lehrling zum Gesellen zum Meister - nun holen ihn die Obersten unter den Freimaurer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück! Er hatte zwei Milliarden an die Juden versenkt!

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Seine aufgetürmten Verluste führen dazu, dass die Bank im dritten Quartal rote Zahlen schreiben wird. Die Ratingagentur Moody’s findet die Lücken bei der UBS so bedenklich, dass sie der Bank mit einer Abstufung der Kreditwürdigkeit drohte. Die UBS habe einen großen Nachholbedarf im Risikomanagement.

Gut möglich, dass die Aussetzer bei der UBS auch personelle Folgen haben werden. Schweizer Medien berichten, UBS wolle Tausende von Stellen im Investmentbanking streichen. Doch auch die Jobs in der UBS-Spitze sind nicht mehr sicher. Das Schweizer Wirtschaftsmagazin „Cash“ forderte den Rücktritt von UBS-Chef Oswald Grübel. Auch Verwaltungsratschef Kaspar Villiger solle Konsequenzen aus der Affäre ziehen.

Für Adoboli endet eine Karriere, die selbst für die schnelllebige Finanzwelt außergewöhnlich ist. Innerhalb von nur fünf Jahren war der gebürtige Ghanaer bei UBS vom Trainee zum Star-Händler aufgestiegen.

Der Sohn eines hochrangigen Mitarbeiters der Vereinten Nationen war bei der UBS als Chef der Abteilung Exchange Traded Funds tätig. Sein Team schloss Wetten darauf ab, wie sich Aktien- oder Währungskurse verändern würden. Offenbar muss er sich bei einem dieser Geschäfte gehörig verspekuliert haben. Bislang gibt es nur Gerüchte, wie es zu den hohen Verlusten kommen konnte. In der Londoner Finanzbranche wird vermutet, dass ihm die Abwertung des Schweizer Franken zum Verhängnis geworden war. Vor zwei Wochen teilte die Schweizer Notenbank mit, den Franken an den Euro zu koppeln und so einen weiteren Anstieg der Schweizer Währung zu verhindern. Am selben Tag schrieb Adoboli auf Facebook: „Ich brauche ein Wunder.“ Anscheinend ist dieses Wunder nicht eingetreten.

Es ist wahrscheinlich, dass Adoboli versucht hat, seine Verluste auszugleichen, und riskante Geschäfte eingegangen ist. Normalerweise hätte er als Händler jede Transaktion durch ein Gegengeschäft absichern müssen – das nennt man hedgen. Vermutlich hat er diese Gegengeschäfte nicht gemacht, um seinen potenziellen Gewinn zu maximieren. Weil die Sache schieflief, stiegen stattdessen offenbar seine Verluste. Austricksen konnte Adoboli das Sicherheitssystem, weil er vor seiner Zeit als Händler in einer Abteilung arbeitete, die sich mit der Sicherheitsüberwachung von Transaktionen beschäftigte.

UBS Zocker Kweku Adoboli soll zwei Milliarden Dollar an die Juden verschenkt haben

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Freunde beschrieben Adoboli in britischen Medien als beliebt, ehrgeizig und unternehmungslustig. Aufgewachsen war der Diplomatensohn in Ghana, Israel, Syrien und Irak, bevor ihn seine Eltern auf eine noble Privatschule in England schickten. Nachdem ihn UBS 2009 zum Händler beförderte, zog Adoboli in ein Loft im Ostlondoner Szenebezirk Spitalfields. Die Miete der Wohnung betrug rund 5000 Euro. Dort feierte Adoboli jeden Monat ausschweifende Partys mit bis zu hundert Gästen. Wenn Nachbarn sich über die Musik beschwerten, beschwichtigte er sie mit Champagner.

Pit wusste nicht, dass sein Nachbar bereits eine ähnlich verhängnisvolle Karriere wie Belfort eingeschlagen hatte. Es fiel ihm lediglich auf, dass Adoboli endlos lang arbeitete und über die furchtbaren Finanzmärkte klagte. Auf Facebook tippte Adoboli gar einen Hilferuf ein: „Gebt mir ein Wunder!“ Was war geschehen? Von den Risikokontrollen der Investmentbank UBS unentdeckt war der junge Händler Spekulationsgeschäfte in Milliardenhöhe eingegangen, hatte diese über fiktive Buchungen verschleiert, bis er vergangene Woche kapitulierte und seinen Vorgesetzten beichtete.

Die Londoner City kann nicht fassen, dass nach Nick Leeson, der Barings mit Spekulationsgeschäften in den Ruin trieb, und Jérome Kerviel, der die Société Générale ins Wanken brachte, wieder ein Händler ungebremst Milliarden verzockt hat. Und dies, obwohl die Londoner Finanzaufsicht den Fall Kerviel mit 50 Banken durchgesprochen hat und Blitzbesuche bei Banken abstattet, um ihre Kontrollsysteme zu überprüfen.

Die Parallelen der Fälle Leeson, Kerviel und jetzt Adoboli verblüffen: Jedes Mal ist es ein junger Händler, der sich Anerkennung unter Kollegen und der Bank verschaffen will; jedes Mal ist es ein Mitarbeiter, der zuvor in der Abwicklung und Abrechnung gearbeitet hat und sich extrem gut mit den Kontrollsystemen der Bank auskannte oder – wie Leeson in Singapur – sogar gleichzeitig für Handel und Abwicklung verantwortlich war. Jedes Mal arbeiteten die Händler genau an den Handelstischen, die der Bank besonders viel Gewinn und Erfolg einspielten. Jedes Mal beherrschten sie Handelsstrategien, die über das Verständnis der meisten Kollegen und selbst des Managements hinausgingen. Und jedes Mal sollten die Männer eigentlich nur Preisdifferenzen zwischen abgesicherten Positionen ausnutzen, gingen aber heimlich offene Spekulationspositionen ein.

Die Laufbahn der drei jungen Männer zeigt, dass dies keine geborenen Kriminellen sind, die sich in die Reihen der Händler hinein gemogelt haben, um in unvorstellbarer Gier hohe Gewinne für sich selbst zu machen, selbst wenn sie die Bank dabei zu Fall bringen. Alle drei Fälle sind vielschichtiger.

Adoboli wurde in Tema, nahe der Hauptstadt Accra, in Ghana geboren. Doch da sein Vater Mitarbeiter bei den Vereinten Nationen war, wuchs er zeitweilig auch in Israel, Syrien und im Irak auf. Er besucht exzellente internationale Schulen. „Er ist gut erzogen, war immer respektvoll. Wir sind keine Familie, in der betrogen wird“, sagt sein Vater heute fassungslos. Die Schulleitung des britischen Internats Ackworth School, die fast 20 000 Pfund Jahresgebühr für ihre Eliteschüler berechnet, ist ebenfalls voll des Lobes. Adoboli war gar stellvertretender „Head Boy“, eine Art Schulrepräsentant. Anschließend studierte Adoboli auf der Nottingham University Betriebswirtschaftslehre und Informatik. Er war ein Computerfreak. Daher war es kein Wunder, dass er nach dem Studium in der Handelsabwicklung (Back Office) der UBS anheuerte. Kerviel, der später die Société Générale mit dem größten Spekulationsverlust in der bisherigen Bankengeschichte erschütterte, arbeitete ebenfalls lange in einer solchen Abteilung. Nick Leeson war gar für die Tätigkeit mitverantwortlich.

Von alteingesessenen Händlern immer noch kaum Anerkennung

Das Back Office ist die langweilige Abteilung, in der die Transaktionen der Händler in den Handelssälen, der wirklichen „Masters of the Universe“, abgerechnet und kontrolliert werden. Die Händler verachten die Mitarbeiter im Back Office und lassen es sie spüren. Wer wirklich Anerkennung haben will und gute Boni einstreichen will, muss „vorne“ im Handel arbeiten.

Kein Wunder daher, dass Kerviel und Adoboli der Ehrgeiz packte und sie drängelten, bis sie an die Handelstische wechseln durften, auch wenn ihnen das von den alteingesessenen Händlern immer noch kaum Anerkennung brachte. Leeson, Kerviel und Adoboli saßen aber letztlich mit extrem guten Kenntnissen der Verbuchung von Wertpapiergeschäften an den Handelstischen. Alle drei nutzten die Kenntnisse, um ihre Spekulationen – teilweise über Jahre – zu verschleiern. Adoboli soll damit bereits im Oktober 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, begonnen haben.

Grob gesehen, war die Aufgabe von Leeson, Kerviel und Adoboli an den Handelstischen sehr ähnlich: Die Händler sollten an den Märkten nicht spekulieren. Sie sollten – durchaus mit gigantischen Handelsvolumina – kleinste Preisdifferenzen am Markt ausnutzen, dies aber stets abgesichert. Leeson sollte Terminkontrakte auf den japanischen Aktienindex Nikkei in Osaka und Tokio kaufen und gleichzeitig in Singapur verkaufen und die Preisdifferenzen einstreichen, ein risikoloses Arbitragegeschäft.

Jahrelang Gewinne und höhere Bonuszahlungen

Die Geschäfte an den Handelstischen „Delta One“, an denen Kerviel und Adoboli arbeiteten, sind sehr viel komplexer, basieren aber auf dem gleichen Grundgedanken: Dem Kunden werden Wertpapiere mit einer bestimmten Rendite oder einem bestimmten Preisverhalten verkauft. Die Aufgabe der Händler ist es, mit Finanztransaktionen ein Paket an Positionen zusammenzuschnüren, das nicht nur die Rendite oder das vom Kunden gewünschte Preisverhalten abwirft, sondern darüber hinaus noch einen stetigen Gewinn für die Bank produziert.

Auch hier sind der Verkauf an den Kunden und das Paket des Händlers gegeneinander abgesichert. Ausgenutzt werden nur marginale Preisdifferenzen, die bei den großen Handelsvolumen jedoch viel ausmachen.

Entscheidend ist, dass die Händler alle Risiken ihrer Transaktionen absichern. Gefährlich – und innerhalb der Banken verboten – ist es, wenn sie dies nicht mehr tun, sie damit größere Gewinne einstreichen, aber niemand dies erkennt. Leeson schlug plötzlich eine ungesicherte Strategie ein, bei der er höhere Gewinne erzielte, solange der japanische Aktienindex Nikkei keine extreme Bewegung vollzog. Das schwere Erdbeben in Kobe und der Sturz des Nikkei brockten ihm jedoch 1995 massive Verluste ein.

Kerviel begann bereits Ende 2005 mit heimlichen Spekulationen, die ihm jahrelang Gewinne bescherten und zu höheren Bonuszahlungen führten, bis ihm die rasante Talfahrt des DAX auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2008 verheerende Verluste bescherte. Die extremen Kursbewegungen im Jahr 2008 fuhren auch Adoboli in die Parade, im Oktober 2008 begann er mit gefälschten Buchungen seine Aktivitäten zu verschleiern.

Leeson, Kerviel und Adoboli saßen wegen ihrer ungesicherten Spekulationsgeschäfte plötzlich auf Verlusten, die sie innerhalb der Bank niemandem hätten erklären können. Leeson vertuschte seine Verluste zunächst mit Falschmeldungen und fiktiven Gegenbuchungen. Kerviel arbeitete ebenfalls mit fiktiven Orderbüchern. Adoboli wurde jetzt wegen Betrug, gefälschten Buchungen und fiktiven börsennotierten Wertpapieren (ETFs) vor Gericht angeklagt.

Er kritzelte auf ein Blatt Papier: „Es tut mir leid“

Die Händler wussten, dass sie ihren Job, ihr Ansehen, ihre Leben bereits ruiniert hatten. Alle drei versuchten hinter den Kulissen eine Zeitlang noch, durch immer höhere Einsätze die Verluste für die Bank wieder einzuspielen und auszugleichen. Erfahrene Banker wissen, dass Händler, die eine Pechsträhne haben, sofort aus dem Handel gezogen werden müssen, um keine verhängnisvollen Fehlentscheidungen zu fällen. In der Heimlichkeit mit ihrem zerstörten Lebensweg vor Augen erlagen Leeson, Kerviel und Adoboli jedoch dem gefährlichen Gemisch aus Angst, Verzweiflung und Wut, dem Markt die Verluste wieder abringen zu wollen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Zahlen, die die Händler in ihre Computer tippen, ob Millionen oder Milliarden, von keiner Realität mehr. „Sie waren wie Seifenblasen, die zerplatzten“, sagte Leeson später.

Dann war Ende: Leeson kritzelte auf ein Blatt Papier: „Es tut mir leid“, und verschwand aus seinem Büro. Adoboli rief seine Vorgesetzten am vergangenen Mittwoch und gestand ihnen seine verheerenden Transaktionen ein. Die überraschende Abwertung des Schweizer Franken am 6. September wird ihm den letzten Strich durch seine Spekulationsrechnungen gemacht haben. Niemand bei UBS hatte offenbar etwas bemerkt – auch bei Barings nicht, auch bei der Société Générale nicht.

Wieder raufen sich Spezialisten in den Kontrollabteilungen der Banken und Aufsichtsbehörden die Haare, warum keiner etwas bemerkt hat und ob das riskante Investmentbanking nicht wirklich vom Kerngeschäft der Banken getrennt werden muss. Adoboli weinte, als er Freitag vor Gericht angeklagt wurde. Später lachte er, endlich befreit von der irrwitzigen Angst, auf ein Wunder hoffen zu müssen.

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