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UBS-Zocker wegen Betrugsverdacht in U-Haft

16. September 2011
Baring Emerging Europe

Image via Wikipedia

Der Londoner Händler, der der Schweizer Großbank UBS einen Handelsverlust von zwei Milliarden Dollar eingebrockt hat, kommt in Untersuchungshaft.

Die Polizei wirft dem 31 Jahre alten Kweku Adoboli nach Angaben vom Freitag Betrug und Bilanzmanipulationen vor. Er war in der Nacht zum Donnerstag festgenommen worden, nachdem die Bank nach eigenen Angaben nicht autorisierte Geschäfte aufgedeckt hatte. Der Mann hatte im Rang eines Direktors in einer Abteilung gearbeitet, die mit sogenannten synthetischen Aktienprodukten zu tun hatte.

Der 31 Jahre alte Investmentbanker vor Gericht - UBS-Trader bleibt in Haft - In Handschellen: UBS-Trader Kweku Adoboli nach seinem Auftritt vor Gericht

Der 31 Jahre alte Investmentbanker vor Gericht - UBS-Trader bleibt in Haft - In Handschellen: UBS-Trader Kweku Adoboli nach seinem Auftritt vor Gericht

Am Freitagnachmittag wurde er dem Richter vorgeführt, der die Untersuchungshaft anordnete. Sie ist zunächst bis zum 22. September 2011 befristet.

Kweku Adoboli übertrug seine Verteidigung der Anwaltskanzlei Kingsley Napley, wie eine Sprecherin mitteilte. Rechtsanwälte dieser Firma hatten schon Nick Lesson verteidigt, der 1995 mit Derivategeschäften die britischen Barings Bank einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar beschert und seinen Arbeitgeber schließlich in den Konkurs getrieben hatte.

Wie Kweku Adoboli bei UBS vorgegangen war, teilte die Polizei nicht mit. In der Londoner City konzentrierten sich die Spekulationen auf die These, dass er von der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) überrascht worden sein könnte, den Wechselkurs des Frankens an den Euro zu binden. Die Schweizer Aktien war daraufhin in die Höhe geschossen. UBS selbst wollte zu den Spekulationen keine Stellung nehmen. Der Mann habe im Aktienbereich gearbeitet. Auch zu der Anklageerhebung wollte die Bank mit dem Hinweis auf ein laufendes Verfahren nichts sagen.

Die UBS-Aktie reagierte auf die Nachricht zunächst mit einem Kursanstieg um rund ein Prozent. Nach Einschätzung eines Händlers könnte die Anklageerhebung Spekulationen den Wind aus den Segeln nehmen, der Fall sei weitgehend auf Mängel im UBS-Risikomanagement zurückzuführen.

Zweifel an den UBS-Risiko-Systemen waren selbst bei Ratingagenturen aufgekommen. Sowohl Moody’s als auch Standard & Poor’s (S&P) und Fitch setzten UBS auf die Beobachtungsliste für eine mögliche Rückstufung der Bonität. Die Agenturen haben Zweifel, ob die Bank das von Natur aus mit großen Risiken verbundene Investmentbanking gut genug im Griff hat. UBS sei den Beweis schuldig geblieben, dass sie nach der Finanzkrise ihr Risiko-Management gestärkt habe, erklärte Standard & Poor’s.

Analysten gingen am Freitag davon aus, dass die größte Schweizer Bank nach dem Handelsskandal ihr Investmentbanking verkleinern und neu ausrichten muss. Der Druck für einen solchen Schritt werden zunehmen, erklärte der Analyst Andreas Venditti von der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Das würde auch den Abbau von Arbeitsplätzen implizieren. Auch an der Spitze der Sparte könnten Köpfe rollen, erwarteten Analysten von JP Morgan.

Bei den Investmentbankern der UBS in London ist die Stimmung auf jeden Fall schlecht. Ein UBS-Händler sagte, die Londoner Belegschaft rechne in den kommenden zwei Wochen mit Entlassungen und zudem werde es wohl kaum Boni geben. „Im meinem Team haben die Leute Angst und wollen möglichst nicht auffallen“, sagte eine Person zu Reuters, die ihren Namen nicht genannt haben möchte. Die Leute hätten Angst um ihre Arbeitsplätze. In der gegenwärtigen Lage sei es schwierig, etwas neues zu finden. Ein andere Banker sagte, sonst regelmäßig stattfindende Konferenzen und Besprechungen mit leitenden Bankern seien abgesagt worden. Das, so vermute er, weil die Chefetage mit Krisensitzungen und Konferenzen mit den Bankenaufsichtsbehörden in London und in der Schweiz beschäftigt sei.

„Die Moral ist schrecklich. Das alles ist ein riesiger Schaden für unsere Reputation, sagte ein Banker. „Das Aktiengeschäft war ein Bereich, von dem wir dachten, wir machen alles richtig“.

Der Reputationsschaden nach dem Handelsskandal könnte auch das Vermögensverwaltungsgeschäft in Mitleidenschaft ziehen. Aus Sicht reicher Kunden könne sich die Frage stellen, wie die Bank das Geld reicher Leute gut verwalten wolle, wenn das eigene Haus nicht in Ordnung halten könne, sagte der Finanzprofessor Melvyn Teo von der Singapore Management University. Genau aus diesem Grund komme es für UBS jetzt drauf an, den den Fall schnell und überzeugend aufzuarbeiten und die Märkte ebenso rasch umfassend und glaubwürdig zu informieren, erklärte der Bankenanalyst Rainer Skierka von der Bank Sarasin.

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