Skip to content

Christian von Boettichers Rückkehr in das Politikerleben

14. September 2011
aerial photo of the "Kieler Förde", ...

Image via Wikipedia

Nach der „Lolita-Affäre“ begrüßten die Kollegen v. Boeticher überaus freundlich – als einfacher Abgeordneter sitzt der ehemalige Spitzenkandidat Christian von Boetticher jetzt wieder in den Reihen der Kieler CDU-Fraktion.

Seine Fraktion braucht ihn im Moment dringend, seine politische Zukunft ist ungewiß!

Der schleswig-holsteinische CDU-Politiker Christian Ulrik von Boetticher ist nach seinem spektakulären Verzicht auf alle Spitzenämter wegen einer zweitägigen Sexaffäre…

Erster Auftritt nach dem Rücktritt von allen Spitzenämtern: Christian von Boetticher gestern vor der Sitzung der CDU-Landtagsfraktion

Erster Auftritt nach dem Rücktritt von allen Spitzenämtern: Christian von Boetticher gestern vor der Sitzung der CDU-Landtagsfraktion

… im Düsseldorfer Nobelhotel Steigenberger auf der Kö in zerwühlten Bettlaken zu der 16jährigen Marie T. alias Kathie S. aus Korschenbroich-Glehn bei Düsseldorf in den politischen Alltag zurückgekehrt.

Kathie S: „Bin kein Betthäschen, das sich einfach von der Bettkante stoßen läßt!“

Als einfacher Abgeordneter nahm der 40jährige am Dienstag nach einmonatiger Auszeit wieder an einer Fraktionssitzung im Kieler Landtag teil. Seine Kollegen begrüßten ihn überaus freundlich per Handschlag und mit Umarmungen.

„Sie sehen, ich bin wieder da“, sagte v. Boetticher vor den Kameraleuten und Journalisten, die ihn dicht bedrängten. Er werde sein Mandat als direkt gewählter Abgeordneter bis Ende der Wahlperiode wahrnehmen.

Ob er zur Landtagswahl im nächsten Mai erneut antritt, ließ er offen. Darüber werde er zu gegebener Zeit mit den Gremien der Partei sprechen. Boetticher dankte seiner Familie und allen, die ihn in den letzten Wochen sehr stark unterstützt hätten. Er sei zwei Wochen mit seinem Vater in den Bergen wandern gewesen. „Das war persönlich sehr wichtig für mich.“

Die schwarz-gelbe Koalition braucht am Mittwoch Boettichers Stimme, um im Landtag ihr umstrittenes Glücksspielgesetz beschließen zu können. CDU und FDP haben nur ein Mandat mehr als die Opposition. Im Plenarsaal wird Boetticher statt in der ersten Reihe künftig in der dritten sitzen.

„Ich freue mich, dass er wieder da ist“, sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. „Das ist ein Willkommen unter Freunden“, meinte auch Wirtschaftsminister Jost de Jager (46), der an Boettichers Stelle nun Spitzenkandidat zur Landtagswahl und CDU-Landesvorsitzender werden soll. „Die Zusammenarbeit wird freundschaftlich und kollegial sein.“ Der gefallene Kronprinz Boetticher betonte, er unterstütze de Jager von ganzem Herzen, damit er der nächste Ministerpräsident des Landes werde. Der Wirtschafts- und Wissenschaftsminister soll am 24. September zum Landesvorsitzenden und am 4. November zum Spitzenkandidaten gewählt werden.

Nach der letzten Umfrage lag allerdings die SPD, die mit Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (48) in die Wahl am 6. Mai 2012 geht, knapp vor der CDU. Möglich wären demnach Regierungen von SPD oder CDU mit den Grünen sowie eine Große Koalition.

„Wir nehmen ihn in unserer Mitte auf“, sagte Johannes Callsen, der Boetticher als Fraktionschef abgelöst hat, über seinen Vorgänger. Die Fraktion wolle ihm den Wiedereinstieg in die Arbeit so leicht wie möglich machen und jetzt wieder nach vorne schauen. Er habe den Eindruck gewonnen, dass Boetticher sehr verantwortungsvoll seine Arbeit als Abgeordneter fortsetzen wolle, sagte Callsen. Angesichts der Turbulenzen um Boetticher Mitte August formulierte Ministerpräsident Carstensen den Wunsch vieler Christdemokraten: „Wir wollten jetzt wieder zu einer Normalität kommen“.

In der CDU-Fraktion teilt sich Boetticher jetzt ein Büro mit Fraktionsvize Hans-Jörn Arp. „Ich freue mich, dass er wieder da ist“, sagte Arp der dpa. „Nach seiner Auszeit geht es jetzt wieder los.“ Er sehe der Bürogemeinschaft absolut positiv entgegen. Boetticher bleibt medienpolitischer Sprecher der Fraktion und Mitglied im Richterwahlausschuss. In welchen Ausschüssen er darüber hinaus mitarbeiten wird, steht noch nicht fest.

Im Hinblick auf die Entscheidung im Landtag am Mittwoch über das schwarz-gelbe Glücksspielgesetz sagte Fraktionschef Callsen, er rechne aus seiner Fraktion mit einem klaren Signal der Zustimmung. Die Kieler Koalition will die Glücksspiele viel weitreichender privaten Anbietern öffnen als nach bisherigem Stand die anderen 15 Länder. Das gilt vor allem für Sportwetten. Dafür sollen ab März 2012 Lizenzen vergeben werden.

Von Boetticher am Scheideweg

Im Gespräch mit dem Abendblatt verriet der Christdemokrat, dass der politische Ausstieg durchaus eine reele Option ist.

Nach ersten öffentlichen Auftritten als Zaungast (wir berichteten), kehrt CDU-Politiker Christian von Boetticher als Akteur auf die politische Bühne zurück. Am Montagabend kam der Pinneberger zur Nominierung von Landtagskollegin Barbara Ostmeier nach Wedel. Am gestrigen Dienstag nahm er erstmals wieder an der Sitzung der Landtagsfraktion in Kiel teil. Die neuerliche offizielle Anfrage der Pinneberger Redaktion des Hamburger Abendblatts wegen eines Gesprächs wurde nicht erhört – aber wir trafen den über die Lolita-Affäre gestürzten Politiker auf offener Straße und konnten kurz mit ihm sprechen.

Er ist sichtlich nervös, schaut sich wiederholt um, wirkt gehetzt: Ganz wohl fühlt sich Christian von Boetticher im öffentlichen Alltagsleben offensichtlich noch nicht. Gerade hatte die Redaktion bei seiner Parteifreundin und Mitarbeiterin Natalina Boenigk abermals wegen eines Gesprächs angefragt, da kommt es zur (Zufalls-)Begegnung mit von Boetticher in der Pinneberger Innenstadt. Gegenseitiges Erkennen und Zunicken, danach sieht es für einen Augenblick so aus, als wolle er, das Handy am Ohr, weiter laufen. Dann aber beendet der Pinneberger Politiker, der vor gut einem Monat wegen einer Affäre mit einem 16 Jahre alten Mädchen bundesweit in die Schlagzeilen geraten war, sein Telefongespräch und begrüßt seinen Gegenüber. Wie es so gehe, möchte er wissen. „Dass muss man doch wohl Sie fragen.“ „Ja, klar“, so von Boetticher lachend. Er kehre ins Leben zurück, sagt der 40 Jahre alte Berufspolitiker und erzählt, wie wohl ihm der freundliche Empfang während einer Kulturveranstaltung in Haseldorf getan habe. Es gehe ihm jetzt besser – „aber die erste Zeit war der Hammer!“

Die „erste Zeit“, damit meint von Boetticher die Tage im August, nachdem bekannt geworden war, dass er eine Liebesbeziehung mit einer seinerzeit 16 Jahre alten Internetbekanntschaft gehabt hatte. Da waren auch Freunde und vor allem die Familie in den Sog der Ereignisse gerissen worden. Gerade das hat von Boetticher besonders zu schaffen gemacht: „Als Politiker muss ich selbst wohl damit leben.“

+++ Leitartikel: Die Fehler von gestern +++

+++ Die politische Karriere des Christian von Boetticher +++

+++ Zweifel in der Nord-CDU an Frontmann von Boetticher +++

Ein älterer Mann kommt von seitlich heran, von Boetticher guckt ihn irritiert an. „Ich muss ihnen mal was sagen“, hebt der Senior lautstark an, der den Politiker auf der Straße erkannt hat, „was ihre Partei mit ihnen gemacht hat, ist wirklich eine Riesensauerei gewesen. Ich jedenfalls gehe nicht mehr zur Wahl!“ Von Boetticher bedankt sich artig für diese spontane Sympathiebekundung.

„Von der Opposition hätte man das vielleicht erwarten können, aber doch nicht von der eigenen Partei.“ Von Boetticher zielt darauf ab, dass im Raum steht, Parteifreunde könnten gezielt Informationen zu seinem Privat- und Liebesleben gesammelt und an entscheidenden Stellen platziert haben.

Nach seinen Rücktritten als Landesvorsitzender und Fraktionschef der schleswig-holsteinischen CDU und als Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl im kommenden Jahr, hatte der Pinneberger sich absolut rar gemacht, war nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen. Selbst hiesige Parteifreunde wussten nicht, wo er steckte. Er habe alle Medienanfragen abgelehnt. „Ich hätte mich in allen Talkshows ausheulen können.“

Stattdessen meldete sich von Boetticher für die Augustsitzung des Landtags krank, und zwar ohne Gelben Zettel: „Ich hätte mir das aber jederzeit von einem Arzt bestätigen lassen können.“ Dass er jetzt zurückkehrt und seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter aufnimmt, stand für von Boetticher selbst außer Frage. „Ich wollte bestimmt nicht der sein, der die Mehrheit der Landesregierung stürzt!“

Am Abend zuvor: Während der Nominierung von Barbara Ostmeier zur Kandidatin für den Wahlkreis 24, genießt von Boetticher den Zuspruch der Basis sichtlich. Zwar gibt es hinter vorgehaltenen Händen auch die eine oder andere frotzelnde Bemerkung, die man einem Parteifreund nicht ins Gesicht und schon gar nicht in der Öffentlichkeit sagt, doch nach außen ist alles eitel Sonnenschein und von Boetticher spielt seinen Charme aus: Lächeln, keine Bemerkung der Verbitterung oder Kritik. Statt dessen reichlich „Dankeschöns“ fürs Schulterklopfen.

Viel Zeit nimmt sich der Fast-Zwei-Meter-Mann für Elly Löchert aus Uetersen. Sie ist 80, kann schlecht gehen und von Boetticher beugt sich minutenlang zu ihr herunter, um ihr zuzuhören. Ist das schon der Beginn eines neues Wahlkampfes?

Mit stehenden Ovationen wird die Hetlinger Bürgermeisterin Barbara Ostmeier im Schulauer Fährhaus gefeiert: Mit 90 von 91 Stimmen küren die Mitglieder aus Wedel, Uetersen, aus Holm, Heist, Hetlingen, Haseldorf, Haselau, Heidgraben und Moorrege die Bürgermeisterin von Hetlingen zur Kandidatin des Wahlkreises 24. Sie will sich in ihrer zweiten Amtszeit unter anderem der „Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung“ widmen.

Lässt sich auch von Boetticher wie von seinem Heimatkreisverband geplant als Direktkandidat im Wahlkreis 25 auf den Schild heben? Er werde sich noch in dieser Woche entscheiden, ob er in der Landespolitik weiter mache, kündigt der Abgeordnete an. „Ich führe Gespräche dazu innerhalb und außerhalb der Politik“, sagt von Boetticher, „ehrlicherweise man sagen, dass es schwer ist jemanden zu finden, der aus der Politik ausgestiegen ist, und hinterher wieder zurück will“. Endlich freie Wochenenden haben, endlich nicht beinahe ständig von Journalisten beobachtet zu werden: Darauf hatte der heute 40-Jährige selbst lange verzichten müssen. Zu lange? Von Boetticher macht keinen Hehl daraus, dass für ihn auch der Ausstieg aus der Politik eine Option. Er muss los Richtung Kiel. Händedruck, dann eilt von Boetticher über die Straße Richtung seines Wahlkreisbüros. Und es bleibt der Eindruck eines Gehetzten.

Boetticher kehrt nach Lolita-Affäre zurück

Christian von Boetticher ist zurück: Vier Wochen nach seinem Rücktritt nahm er wieder an einer Fraktionssitzung teil. Von seinen Kollegen wurde er freundlich empfangen, doch der politische Abstieg macht sich bemerkbar: Boetticher hat nicht einmal mehr ein eigenes Büro im Landtag.
„Sie sehen, ich bin wieder da“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Kiel. Dort nahm ererstmals nach seinem Rücktritt als Landes- und Fraktionschef wieder an einer Fraktionssitzung teil. Am Mittwoch will er zudem erstmals wieder einer Landtagssitzung beiwohnen.

Boetticher hatte Mitte August seine Ämter abgegeben. Grund war Kritik an seiner inzwischen beendeten Liebesbeziehung mit einer damals 16-Jährigen. Der 40-Jährige galt als Kronprinz von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) und sollte die CDU als Spitzenkandidat in die Landtagswahl führen.

Boetticher war zwei Wochen wandern

Boetticher dankte seiner Familie und seinem persönlichen Umfeld für die Unterstützung der vergangenen Wochen. „Ich war mit meinem Vater zwei Wochen wandern im Gebirge. Der ist 80, noch ganz fit, hat den Krieg noch selbst erlebt“, sagte Boetticher. Da würden „manche Dinge auf ein Maß schrumpfen“, das man ihnen zubilligen müsse.

An der weiteren Ausübung seines Abgeordnetenmandats bis zum Ende der Legislaturperiode habe er selbst nie gezweifelt, sagte Boetticher. Seinen designierten Nachfolger als Spitzenkandidat und Landeschef, Wirtschaftsminister Jost de Jager, unterstütze er „mit ganzem Herzen“.

Ob er selbst zur Landtagswahl im Mai 2012 erneut antrete, wolle er zu gegebener Zeit mit den Gremien beraten, sagte der Christdemokrat. Nun wolle er seine Arbeit als „ganz normaler Abgeordneter“ wahrnehmen.

CDU auf Boetticher angewiesen

Die CDU ist auf ihren einstigen Hoffnungsträger angewiesen, weil Schwarz-Gelb im Kieler Landtag nur über einen Sitz mehr verfügt als die Opposition. Am Mittwoch wollen CDU und FDP im Landtag ihren umstrittenen Alleingang bei der Liberalisierung des Sportwettenmarktes beschließen.

„Ich freue mich, dass er wieder da ist“, sagte Ministerpräsident Carstensen am Rande der CDU-Fraktionssitzung. Dort wurde Boetticher am Dienstag von seinen Fraktionskollegen freundlich empfangen. Boetticher sei gut vorbereitet auf die kommende Landtagssitzung, sagte Wirtschaftsminister de Jager. Er sprach von einem „Willkommen unter Freunden“.

Boetticher wird Hinterbänkler

Die Fraktion wolle Boetticher in ihrer Mitte wieder aufnehmen, sagte Fraktionschef Johannes Callsen. In welchen Ausschüssen Boetticher künftig mitarbeiten werde, sei noch nicht entschieden. Die August-Tagung des Landtags hatte Boetticher krankheitsbedingt versäumt.
Im Plenum muss Boetticher künftig weiter hinten, in der dritten Reihe, Platz nehmen. Zudem teilt er sich fortan gemeinsam mit Fraktionsvize Hans-Jörn Arp ein Büro im Landtag. Er bleibt medienpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.
No comments yet

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: