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Kurdischer Killer vom Wedding – Trauer nach dem Doppelmord

10. August 2011

In Neukölln nehmen die Menschen Abschied von den ermordeten Frauen

Feride C., der der Anschlag gegolten hatte, stand bei der Zeremonie kurz vor einem Zusammenbruch.

Angehörige, Freunde und Bekannte haben in einer Trauerfeier in Neukölln der beiden Doppelmord-Opfer aus Wedding gedacht. Weit mehr als 500 Menschen versammelten sich am Dienstagmittag in der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm.

Familie C. und deren Freunde trauern nach dem Doppelmord von Mehmet Yildirim in Berlin-Wedding

Familie C. und deren Freunde trauern nach dem Doppelmord von Mehmet Yildirim in Berlin-Wedding

Die Leichen der erschossenen Frauen, der 47-jährigen Nevin C. und ihrer Tochter Leyla (22), sollten noch in der vergangenen Nacht in die Türkei übergeführt und am heutigen Mittwoch in ihrer anatolischen Heimatstadt Cihanbeyler, nahe der türkischen Hauptstadt Ankara, beerdigt werden. Die beiden Frauen waren am Donnerstag vergangener Woche im Kugelhagel eines Schützen gestorben, dessen unfassbare Tat eigentlich seiner Ex-Frau Feride (24), Tochter und Schwester der beiden Getöteten, galt. Der mutmaßliche Täter Mehmet Yildirim (27) konnte nach einer tagelangen Großfandung am späten Sonntagabend in Neukölln gefasst werden.

Feride C. war kaum in der Lage, der Trauerfeier für ihre Mutter und ihre Schwester zu folgen, sie wirkte mehrfach, als stehe sie unmittelbar vor einem Zusammenbruch. Auch ihr Vater brach immer wieder in Tränen aus. Halil C. hat seine Frau und eine Tochter verloren. Sein Sohn Ferit (27) überlebte den Mordanschlag, schwebte allerdings mehrere Tage in Lebensgefahr und liegt noch im Krankenhaus. „Diese Tat hat das Rückgrat meiner Familie gebrochen“, sagte Halil C. zu Reportern. Ansonsten schwiegen die Angehörigen während der Feier. Sie hatten vor Beginn der Zeremonie Fotos erlaubt, aber ansonsten darum gebeten, die Trauernden in Ruhe zu lassen.

Anteilnahme 500 Menschen haben sich vor der Sehitlik-Moschee zur Trauerfeier für die getöteten Frauen versammelt

Anteilnahme 500 Menschen haben sich vor der Sehitlik-Moschee zur Trauerfeier für die getöteten Frauen versammelt

Nichts rechtfertige diese Tat, Mord und Gewalt seien niemals mit einer Religion in Einklang zu bringen, sagte ein Imam während seiner Predigt. Anders als bei Muslimen sonst üblich, sprachen bei der Trauerfeier in Neukölln zwei Imame. Nach der Trauerfeier wurden die Särge der beiden getöteten Frauen direkt zum Flughafen gefahren. „Wie soll die Familie jemals über diese Tat und den Verlust hinwegkommen, für die scheint das Leben im Moment doch sinnlos“, fragte ein Bekannter von Halil C. Gleiches, so der Mann, gelte vermutlich aber auch für die in der Türkei lebende Familie des Schützen, die nun mit der Schuld des eigenen Sohnes und Bruders leben müsse. Und eine junge Türkin, eine Freundin der getöteten Leyla C., stellte immer wieder weinend die Frage nach dem Warum. Diese Frage treibt auch die Ermittler der Staatsanwaltschaft und der 3. Mordkommission um. Der Fall scheint nach der Festnahme des mutmaßlichen Doppelmörders Mehmet Yildirim klar, aber die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen. „Der Beschuldigte hat zwar eingeräumt, die Schüsse abgegeben zu haben, zum Hergang der Tat und vor allem zu seinen Motiven wissen wir allerdings noch viel zu wenig“, sagte Simone Herbeth, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Nach dem Doppelmord in Berlin-Wedding haben Familie und Freunde am Dienstag bei einer Trauerfeier in einer Neuköllner Moschee der Opfer gedacht. Mehr als hundert Menschen nahmen Abschied von den beiden Toten, deren Särge in einen Vorhof der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm getragen wurden. Nach Angaben von Trauergästen werden die zwei Frauen nicht in Berlin, sondern in der Türkei beerdigt.

Am vergangenen Donnerstag hatte der mutmaßliche Todesschütze einem Auto aufgelauert, in dem seine 24 Jahre alte Ex-Frau saß. Er schoss auf den Wagen und tötete die 45 Jahre alte Mutter und eine 22-jährige Schwester der Frau. In dem Kugelhagel wurde auch ein 27 Jahre alter Bruder schwer verletzt. Danach flüchtete der Täter. Die Ex-Frau des mutmaßlichen Schützen sowie ein weiterer Mann in dem Auto blieben unverletzt. Am Montag wurde der 25-Jährige gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Schüsse auf den Wagen hat er gestanden, aber nichts zum Motiv gesagt. Vieles deutet auf eine Beziehungstat hin.

Über den mutmaßlichen Todesschützen werden derweil immer mehr Details bekannt. Der 25 Jahre alte Mann ist vorbestraft. Er war schon 2008 zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, wie der Sprecher der Berliner Gerichte, Tobias Kaehne, am Dienstag sagte. Zudem laufe gegen den Mann schon ein Verfahren am Amtsgericht Tiergarten wegen versuchter Nötigung und Bedrohung seiner Ex-Frau und Ex-Schwägerin.

Laut Gerichtssprecher war der mutmaßliche Doppelmörder 2008 verurteilt worden, weil er in einer Imbissbude einen Menschen mit einem Messer erstechen wollte. Im September 2010 soll er dann seiner Ex-Frau mit dem Tod gedroht haben. Ob eine frühe Verurteilung den Doppelmord hätte verhindern können, darüber könne nur spekuliert werden, sagte Kaehne. Eine Verurteilung hätte nicht sofort zu einer Inhaftierung führen müssen. Theoretisch hätte der 25-Jährige auch zu einer Geldstrafe verurteilt werden können, erklärte er. Nun wird wegen Mordes und versuchten Mordes gegen den Mann ermittelt.

Der Polizeischutz für die Ex-Frau und ihre Familie war am Montagabend beendet worden. Weil sich der mutmaßliche Täter in Untersuchungshaft befinde, gebe es keine Gefährdung mehr, sagte ein Polizeisprecher. Das Haus der Ex-Frau und ihrer Familie war bis dahin von Polizisten überwacht worden.

Unterdessen hält sich der mutmaßliche Täter über das Motiv weiter bedeckt. Nach vorläufigen Erkenntnissen soll Rache für die Trennung das Motiv gewesen sein. Am Montag war der Mann einem Haftrichter vorgeführt worden. Der Tatverdächtige habe dem Richter aber nichts gesagt, berichtete die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth. Bei der Vernehmung zuvor hatte der Mann lediglich gestanden, die Schüsse abgefeuert zu haben. Die Gründe seiner Tat blieben weiterhin unklar, sagte Herbeth. Von einem «umfassenden Geständnis» wollte sie daher nicht sprechen.

Nach dem großen Schock kam die große Trauer. Am Dienstagnachmittag nahmen Familie und Freunde Abschied von Leyla und Nevin C., die am vergangenen Donnerstag nahe ihrer Wohnung in Gesundbrunnen erschossen worden waren. In der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm fand die Trauerfeier statt – und sie fiel etwas anders aus als es sonst bei muslimischen Zeremonien der Fall ist. „Aufgrund des großes öffentlichen Interesses handelt es sich hier schon um einen Sonderfall“, sagte ein Sprecher der Moschee. „Die Zeremonie dauerte länger als üblich. Auch kamen viele außerhalb des Familien- und Bekanntenkreises, um Anteil zu nehmen.“ Weit mehr Menschen als sonst fanden sich so im Hof der Moschee ein, außerdem beobachtete ein Teilnehmer einen weitaus größeren Anteil an Frauen als gewöhnlich.

Feride, die den Angriff ihres Exmannes überlebt hatte, trauerte wie ihr Vater an den mit Tüchern umhüllten Särgen ihrer Schwester und Mutter. Direkt vor der Moschee standen sie, und um sie herum versammelte sich die muslimische Gemeinde. „Es war bewegender als andere Zeremonien, die ich erlebt habe – schrecklich“, erzählt eine Bekannte der Opferfamilie. „Weil der Tod auf diese Weise kam. Das rechtfertigt keine Religion.“ So habe es auch der Imam (Vorbeter) – frei übersetzt – im Totengebet gesagt. Traditionell schließt sich die Trauerzeremonie an das Mittagsgebet an. Neben dem Totengebet, in dem an die Verstorbenen erinnert und den Hinterbliebenen Trost gespendet wurde, war eine Predigt vorgesehen. Danach trugen Angehörige die Särge unter den Tränen vieler Anwesender vom Moscheegelände.

Im Islam ist es üblich, die Toten so schnell wie möglich zu bestatten. Das birgt wegen der vorgeschriebenen medizinischen und forensischen Untersuchungen in Deutschland oft Probleme. Nicht aber im Fall der Familie C. „Die islamische Tradition ist uns bekannt. Die Obduktion wurde deshalb entsprechend zügig durchgeführt, um die Leichen schnell freizugeben“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Simone Herbeth. Konflikte mit der Familie des Opfers habe es deswegen nicht gegeben. Die Leichen von Leyla und Nevin C. sollen in der Nacht zu Mittwoch in die Türkei überführt und dort im Heimatort der Familie in der Provinz Konya beerdigt werden.

Inzwischen hat der mutmaßliche Mörder, Mehmet Y., die Tat weitgehend gestanden. „Er hat die Schüsse eingeräumt“, bestätigte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die genauen Beweggründe für die Tat müssten jedoch noch geklärt werden. Für eine Verurteilung wegen Mordes spielt das Motiv und die Vorbereitung der Tat eine entscheidende Rolle. Mit einer schnellen Anklage sei aufgrund der Komplexität des Geschehens nicht zu rechnen, der Fall werde aber wegen der besonderen Schwere der Tat bevorzugt behandelt.

Die mehrstündige Vernehmung von Y. durch die Mordkommission am Montag musste mithilfe eines Dolmetschers geführt werden, da der türkischstämmige Mann kaum Deutsch spricht. „Er ist in seiner Wahrnehmung nicht richtig präsent“, sagte ein Ermittler. „Er sucht die Schuld für die Schüsse bei anderen.“ Der 25-Jährige soll beispielsweise angegeben haben, dass der Vater seiner Exfrau mitverantwortlich für die Bluttat sei, weil er konsequent die Kontaktversuche von Y. zu seiner Tochter verhindert habe. Er sei deshalb völlig verzweifelt gewesen. Der Ermittler sprach hingegen von „einer natürlichen Reaktion“ eines Mordverdächtigen, der trotz erdrückender Beweislage die Schuld von sich weist.

Die Mordkommission versucht jetzt zu klären, wie der Schütze in den Besitz der Tatwaffe kam: „Hier stecken wir noch in den Ermittlungen“, sagte ein Beamter. Nach seiner Festnahme in der Nacht zu Montag hatte Y. die Polizei zu der Pistole geführt, die er in der Nähe des Tatortes in einem Gebüsch eines Hinterhofs versteckt hatte.

Der Gesuchte hatte sich tagelang in der Ruine eines stillgelegten Krankenhauses an der Hannemannstraße in Buckow versteckt, bis die Zielfahnder vom LKA ihn aufspüren konnten.

Mehr als 500 Menschen kamen zur Trauerfeier in die Sehitlik-Moschee, um von den zwei in Wedding erschossenen Frauen Abschied zu nehmen. Ihre Leichen wurden in die Türkei überführt. Die Ermittlungen gegen Mehmet Y. sind noch lange nicht abgeschlossen.

Angehörige, Freunde und Bekannte haben in einer Trauerfeier in Neukölln der beiden Doppelmord-Opfer aus Wedding gedacht. Weit mehr als 500 Menschen versammelten sich am Dienstagmittag in der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm. Die Leichen der erschossenen Frauen, der 47-jährigen Nevin C. und ihrer Tochter Leyla (22), sollten noch in der vergangenen Nacht in die Türkei übergeführt und am heutigen Mittwoch in ihrer anatolischen Heimatstadt Cihanbeyler, nahe der türkischen Hauptstadt Ankara, beerdigt werden. Die beiden Frauen waren am Donnerstag vergangener Woche im Kugelhagel eines Schützen gestorben, dessen unfassbare Tat eigentlich seiner Ex-Frau Feride (24), Tochter und Schwester der beiden Getöteten, galt. Der mutmaßliche Täter Mehmet Y. (27) konnte nach einer tagelangen Großfandung am späten Sonntagabend in Neukölln gefasst werden.

Feride C. war kaum in der Lage, der Trauerfeier für ihre Mutter und ihre Schwester zu folgen. Sie wirkte mehrfach, als stehe sie unmittelbar vor einem Zusammenbruch. Auch ihr Vater brach immer wieder in Tränen aus. Halil C. hat seine Frau und eine Tochter verloren. Sein Sohn Ferit (27) überlebte den Mordanschlag, schwebte allerdings mehrere Tage in Lebensgefahr und liegt noch im Krankenhaus. „Diese Tat hat das Rückgrat meiner Familie gebrochen“, sagte Halil C. zu Reportern. Ansonsten schwiegen die Angehörigen während der Feier. Sie hatten vor Beginn der Zeremonie Fotos erlaubt, aber ansonsten darum gebeten, die Trauernden in Ruhe zu lassen.

Nichts rechtfertige diese Tat, Mord und Gewalt seien niemals mit einer Religion in Einklang zu bringen, sagte ein Imam während seiner Predigt. Anders als bei Muslimen sonst üblich, sprachen bei der Trauerfeier in der Sehitlik-Moschee zwei Imame. Nach der Trauerfeier wurden die Särge der beiden getöteten Frauen direkt zum Flughafen gefahren.

Mit der Schuld leben

Die Teilnehmer der Trauerfeier waren sichtlich geschockt und fassungslos. „Wie soll die Familie jemals über diese Tat und den Verlust hinwegkommen, für die scheint das Leben im Moment doch sinnlos“, fragte ein Bekannter von Halil C. Gleiches, so der Mann, gelte vermutlich aber auch für die in der Türkei lebende Familie des Schützen, die nun mit der Schuld des eigenen Sohnes und Bruders leben müsse. Und eine junge Türkin, eine Freundin der getöteten Leyla C., stellte immer wieder weinend die Frage nach dem Warum.

Exakt diese Frage treibt auch die Ermittler der Staatsanwaltschaft und der 3. Mordkommission um. Der Fall scheint nach der Festnahme des mutmaßlichen Doppelmörders Mehmet Y. klar, aber die Ermittlungen sind noch lange nicht abgeschlossen. Vieles, wenn nicht alles deutet auf eine Eifersuchtstat eines Mannes hin, der nicht hinnehmen wollte und konnte, dass seine Frau sich von ihm getrennt hat. Den Ermittlern ist das aber noch nicht präzise genug. „Der Beschuldigte hat zwar eingeräumt, die Schüsse abgegeben zu haben, zum Hergang der Tat und vor allem zu seinen Motiven wissen wir allerdings noch viel zu wenig“, sagte Simone Herbeth, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag. Da noch viel Klärungsbedarf bestehe, werde es wohl noch einige weitere Befragungen geben, sagte die Justizsprecherin weiter.

Tat von langer Hand geplant?

Derzeit konzentrieren sich die Ermittlungen vor allem auf das Umfeld des mutmaßlichen Täters. Bislang hat sich dabei allerdings vor allem herausgestellt, dass nur wenige Menschen etwas über Mehmet Y. sagen können. „Und mancher, der etwas sagen könnte, sagt lieber nichts“, beschrieb ein Beamter die Probleme. Mehmet Y. selbst hat unmittelbar nach seiner Festnahme die tödlichen Schüsse gestanden, auf alle weiteren Fragen allerdings geschwiegen. Auch gegenüber dem Ermittlungsrichter, der am Montag Haftbefehl wegen zweifachen Mordes erließ, äußerte sich der 27-Jährige nicht.

Von Bedeutung für die Ermittler ist auch die Frage, ob die Tat von langer Hand geplant war. Vieles deutet darauf hin, denn Y. hat seiner Ex-Frau und deren Familie zuvor offenbar mehrfach gedroht, sie umzubringen. „Aber wenn jeder, der mal droht, einen anderen umzubringen, die Drohung auch in die Tat umsetzt, wären die Straßen hier ziemlich leer und die Gefängnisse überfüllt“, sagte ein Kriminalbeamter. Auch diese Frage müsse noch abschließend geklärt werden.

Für Halil C. und die Familienangehörigen, die die blutige Tat überlebt haben, sind diese Fragen momentan nebensächlich. Für sie sind nur Trauer und Schmerz geblieben. Und daran, vermutet ein Freund der Familie, werde sich so schnell nichts ändern.

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