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Dritte Krawall-Nacht in Folge: Elf Londoner Stadtteile in Aufruhr

8. August 2011
London

Image via Wikipedia

London steht den dritten Tag in Folge im Zeichen gewalttätiger Krawalle. Brennende Autos und Plünderungen werden aus elf Stadtteilen gemeldet.

Die Polizei in der britischen Hauptstadt hat sich mit Kräften aus anderen Städten verstärkt.

Nach zwei Nächten mit den schwersten Ausschreitungen seit mehr als 20 Jahren ist London auch am Montag nicht zur Ruhe gekommen.

Montagabend - 8. August 2011 - im Londoner Stadtteil Hackney

Montagabend - 8. August 2011 - im Londoner Stadtteil Hackney

In dem sozial benachteiligten Stadtteil Hackney im Osten der Stadt gab es schon am Nachmittag heftige Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Anschließend griffen die Unruhen auf weitere Stadtteile über. Auch aus dem zentralenglischen Birmingham wurden Vorfälle berichtet. Von dort gab es Berichte über Zusammenstöße zwischen Polizisten und Jugendlichen, die zuvor Schaufenster eingeworfen haben sollen.

  • In Hackney verwüsteten dutzende Jugendliche Geschäfte, plünderten einen Lastwagen und zündeten Autos und Müllcontainer an. Zudem setzten sie geparkte Autos in Brand, bevor die Polizei in Schutzausrüstung sie zurücktreiben konnte. Zuvor waren Händler und Büroinhaber in Hackney aufgefordert worden, die Läden zu schließen und die Büros zu verlassen.
  • Auch in Lewisham im Süden Londons wurden Autos angezündet und Geschäfte geplündert.
  • In dem verarmten Viertel Peckham brannte ein Bürogebäude, von dem die Flammen auf andere Gebäude übergreifen zu drohten. Jugendliche versuchten zudem, einen Doppeldeckerbus anzuzünden.

Plündernde und brandschatzende Banden, die in der Nacht zum Sonntag in Tottenham die Randale begonnen hatten, waren schon in der Nacht zum Montag in weitere Stadtteile weitergezogen, vor allem im Norden, Osten und Süden der britischen Metropole. Die Polizei nahm inzwischen nach Angaben von Innenministerin Theresa May 215 Randalierer fest, 25 wurden bereits angeklagt.

Mehr als 40 Polizisten wurden verletzt. Auch Gruppen gewalttätiger Kinder zwischen 10 und 14 Jahren waren unterwegs. Die Polizei stockte ihre Einsatzkräfte mit Kollegen aus anderen britischen Städten auf, um sich für die dritte Nacht der Randale zu wappnen.

Der aus dem Urlaub zurückgekehrte Vizepremierminister Nick Clegg sagte in Tottenham, die Randalierer seien „opportunistische Kriminelle“. Sie hätten schon jetzt „große Narben“ in der Gesellschaft hinterlassen.

Die Krawalle hatten in der Nacht zum Sonntag in dem Problemviertel begonnen. Zwei Tage zuvor war dort der 29-jährige Mark Duggan von einem Polizisten erschossen worden.

Unklar war, ob der farbige Familienvater, der der Banden- und Drogenszene zugerechnet wird, das Feuer eröffnet hatte. Ergebnisse ballistischer Tests sollen am Dienstag veröffentlicht werden.

Der Mann hatte nach Darstellung der Polizei bei einer Kontrolle aus einem Taxi auf die Fahnder geschossen. Eine Kugel, die das Funkgerät eines Polizisten traf, stammte nach einer ersten Untersuchung aber offenbar aus einer Polizeiwaffe, berichteten mehrere britische Medien. Mitglieder der Farbigen-Community werfen der Polizei Rassismus vor.

Randalierer aller Ethnien hatten als Reaktion auf den Tod des 29-Jährigen Mark Duggan in Tottenham Büros, Wohnungen, Supermärkte, Polizeiautos und einen Doppeldecker-Bus in Brand gesetzt und Geschäfte ausgeplündert.

Von einigen Häusern blieben nur die Grundmauern übrig. Familien wurden obdachlos, weil ihre Wohnungen ausbrannten. „Das hat absolut nichts mit dem Tod von Mark Duggan zu tun“, sagte Vize-Premier Clegg. Die Gewalt sei „total unakzeptabel“. Der örtliche Abgeordnete David Lammy sagte, Tottenham sei „das Herz entrissen“ worden. Die Sachschäden an Gebäuden und öffentlichen Einrichtungen gehen in den mehrstelligen Millionenbereich.

  • Im Stadtteil Brixton im Süden verwüsteten in der Nacht zum Montag mehr als 200 Jugendliche die zentrale Einkaufsstraße.
  • In Enfield im Norden sowie den Stadtvierteln
  • Walthamstow und
  • Waltham Forest im Nordosten griffen Jugendliche Polizisten an, zerstörten Schaufenster und plünderten Läden. Die Feuerwehr musste rund 50 Brände löschen. Einige dieser Gegenden sind für soziale Probleme bekannt.
  • Rund 50 Jugendliche randalierten aber auch am Oxford Circus – mitten in der Londoner Innenstadt.

Die Familie des getöteten Mannes distanzierte sich von der Gewalt. Das sei nicht im Sinne des 29-Jährigen Mark Duggan, sagte dessen Bruder. Bei den Tätern handle es sich offenbar um „Trittbrettfahrer“, erklärte Scotland Yard. Die Beamten seien schockiert über das Ausmaß der Gewaltbereitschaft. London ist in einem Jahr (27. Juli bis 12. August 2012) Austragungsort der Olympischen Spiele. Die Sicherheit ist eines der meistdebattierten Themen im Vorfeld der Spiele.

Die Jugendlichen bildeten laut Polizei über das Internet „kleine und mobile“ Gruppen. Sie hätten sich mit Smartphones organisiert und seien sehr schnell von einem Ort zum nächsten weitergezogen, berichteten Beobachter. Die Polizei habe daher große Probleme gehabt, die Randalierer unter Kontrolle zu bekommen. Scotland Yard drohte Twitter-Usern, die über den Kurznachrichtendienst zu Gewalt aufrufen, hohe Strafen an.

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