Skip to content

Tottenham – Nach Ausschreitungen sieht der Londoner Stadtteil aus wie nach dem zweiten Weltkrieg

7. August 2011
DAVOS/SWITZERLAND, 29JAN10 - David Cameron, Le...

Image via Wikipedia

Im Londoner Stadtteil Tottenham ist es nach dem Tod eines Einwohners zu schweren Ausschreitungen gekommen. Es sehe in dem Viertel aus wie nach dem zweiten Weltkrieg, berichten Augenzeugen.

Nach einem tödlichen Polizeieinsatz ist der Londoner Vorort Tottenham in der Nacht zum Sonntag von schweren Krawallen erschüttert worden. Vorwiegend junge Randalierer setzten nach einer zunächst friedlichen Protestkundgebung Polizeiautos, einen Doppeldeckerbus und Gebäude in Brand und plünderten mehrere Geschäfte. 26 Polizisten wurden verletzt, es gab mehr als 40 Festnahmen.

Wütender Mob setzt Autos und Geschäfte in Brand

Foto: dpa/DPA Nachdem es im Londoner Stadtteil Tottenham zu schweren Krawallen kam, …

Die ganze Nacht über dauerten die Krawalle in dem multiethnischen Stadtviertel im Norden der britischen Hauptstadt an. Nur mit Mühe gelang es der Polizei, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen; noch am Sonntag gingen die Ordnungshüter vereinzelt gegen Plünderer vor. Die Straßen waren gesäumt von niedergebrannten Autowracks und mit Scherben eingeschlagener Fensterscheiben, Überresten von Brandbomben sowie Trümmern übersäht.

Auslöser der Krawalle war der Tod eines vierfachen Familienvaters bei einem Polizeieinsatz am vergangenen Donnerstag. Nach Darstellung der Polizei wollte eine Spezialeinheit den 29-jährigen Mark Duggan im Zuge von Ermittlungen gegen Waffenkriminalität aus einem Taxi heraus festnehmen. Dabei fielen Schüsse, Duggan wurde durch eine Polizeikugel tödlich verletzt wurde. Nach Angaben der Polizisten hatte auch Duggan geschossen: Im Funkgerät eines Polizisten habe eine Kugel gesteckt.

Die Krawalle in Tottenham waren die seit Jahren schwersten Ausschreitungen in der britischen Hauptstadt. Die zunächst friedliche Protestkundgebung gegen Duggans Tod vor der Polizeiwache der Hauptstraße von Tottenham geriet am späten Samstagabend außer Kontrolle. Jugendliche setzten zwei Polizeiwagen und einen Doppeldeckerbus in Brand, dann griff die Gewalt immer weiter um sich.

Vermutlich über soziale Netzwerke angelockt, schlossen sich Dutzende Gangs vorwiegend jugendlicher Randalierer in Kapuzenshirts den Krawallen an, setzten weiterer Geschäfte – darunter einen Aldi-Supermarkt – und Wohnhäuser in Brand und schleppten in Einkaufswagen geplünderte Ware aus den Läden. Um die Brände löschen zu können, wurde die Feuerwehr von Polizisten eskortiert.

Ein Augenzeuge sagte, die Szenerie erinnere ihn an die Bombenangriffe der Deutschen während des Zweiten Weltkriegs. „In unserem Viertel sieht es aus wie nach dem ‚Blitz‘. So viele Menschen hier haben alles verloren“, sagte Stuart Radose dem Fernsehsender Sky News.

Premierminister David Cameron verurteilte die Gewalt. Die Angriffe auf die Polizei und die Zerstörung von Eigentum seien durch nichts zu rechtfertigen, erklärte sein Sprecher. Der örtliche Polizeichef Adrian Hanstock bedauerte Duggans Tod. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden. Der Tod des Familienvaters sei eine „Tragödie“, doch gebe dies „einer kriminellen Minderheit“ nicht das Recht, Geschäfte und Existenzen zu zerstören und ihre Nachbarschaft zu bestehlen.

Der britische Unterhausabgeordnete für Tottenham, David Lammy, rief zur Ruhe auf. Diejenigen, die sich an die „zerstörerischen Konflikte der Vergangenheit“ erinnern, könnten sich keine Neuauflage wünschen, sagte er. In dem multiethnischen Londoner Stadtteil, der vor allem für seinen Erstliga-Fußballverein Tottenham Hotspurs bekannt ist, war 1985 bei Ausschreitungen ein Polizist getötet worden.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: