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Krisentelefonate: Angst vor Börsenpanik am Montag – Politiker lassen die Drähte glühen

7. August 2011
Jean-Claude Trichet and Javier Solana, Karlspr...

Jean-Claude Trichet and Javier Solana, Karlspreisträger der Hochgrad-Freimaurer Börsenpanik am Montag – Politiker lassen die Drähte glühen

Die Nervosität in den Hauptstädten rund um den Globus ist nach dem Börseneinbruch und dem Verlust des Top-Ratings der USA hoch. In Telefonkonferenzen beraten Politiker das weitere Vorgehen. Auch die EZB macht sich zum Eingreifen bereit.

Die Angst vor weiteren Turbulenzen auf den Finanzmärkten hat am Wochenende die Spitzenpolitiker aus den führenden Industriestaaten und Schwellenländern zum Handeln getrieben. Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industriestaaten (G7) wollen Medienberichten zufolge am Sonntag über die Lage beraten. Die Vertreter aus Deutschland, Japan, Großbritannien, Frankreich, Italien, Kanada und den USA wollen sich noch vor der Öffnung der asiatischen Börsen am Montagmorgen um zwei Uhr mitteleuropäischer Zeit bei einer Telefonkonferenz abstimmen, wie japanische Nachrichtenagenturen berichteten.
Laut Jiji Press und Kyodo soll im Anschlussmöglicherweise eine gemeinsame Erklärung der G7 veröffentlicht werden, um die Märkte zu beruhigen. Weitere hochrangige Regierungsvertreter aus den G7-Ländern sind demnach bereits in Gesprächen.Am Samstag hatten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der zurzeit Vorsitzender der G7 ist, und der britische Premierminister David Cameron bei einem Telefonat über die Schuldenkrise in Europa und den USA gesprochen. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Ein Sprecher der Londoner Downing Street teilte lediglich mit, die beiden hätten vereinbart, zusammenzuarbeiten, die Situation genau zu beobachten und in den kommenden Tagen in Kontakt zu bleiben.

Neben zahlreichen Telefonkonferenzen der G7 und der G20 wegen der US-Schuldenkrise richteten sich die europäischen Hoffnungen am Sonntag vor allem auf die Europäische Zentralbank (EZB), die auf dieser Seite des Atlantiks am ehesten zur Beruhigung der übernervösen Investoren beitragen könnte.

Greift die EZB ein?

EZB-Chef Jean-Claude Trichet setzte nach Informationen aus dem Umfeld der Notenbank für 19 Uhr eine Telefonkonferenz des obersten Gremiums an. „Trichet will, dass der Rat eine Entscheidung über den Kauf italienischer Bonds trifft“, sagte ein Vertreter. Sollten sich die Währungshüter zum Handeln entscheiden, könnten die EZB und andere Notenbanken der Euro-Zone am Montag mit den Käufen beginnen. Der Aufkauf von Staatsanleihen des angeschlagenen Italien würde den Anlegern das Signal geben, dass die Euro-Zone ihre Investitionen absichert.

Der Schritt ist aber umstritten. Bislang leisten vor allem Bundesbank-Chef Jens Weidmann und andere nordeuropäische Notenbanker massiven Widerstand gegen das Anleihekaufprogramm, mit dem die EZB seit vergangenem Jahr überschuldete Mitglieder wie Griechenland, Portugal und Irland flüssig hält. Die Notenbank übte zuletzt enormen Druck auf Italien aus, im Gegenzug für eine Aufnahme in das Programm den Schuldenabbau schneller und glaubwürdiger anzugehen.

Widerstände gegen das Sparpaket

In Italien formiert sich bereits die Opposition gegen einen schärferen Sparkurs, wie ihn Ministerpräsident Silvio Berlusconi am Freitagabend unter dem Druck der europäischen Partner ankündigte. „Mit dieser Regierung, mit diesem Sparhaushalt ist kein Sozialpakt möglich“, sagte die Chefin der größten Gewerkschaft des Landes, CGIL, Susanna Camusso.
Mit Italien und Spanien drohen die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone in den Schuldenstrudel gerissen zu werden. Beide Staaten müssen ihren Geldgebern inzwischen Rekordzinsen zahlen. Die Unsicherheit über Vorgehen und Kosten bei einer Notrettung der beiden Schwergewichte, die ungelöste Schuldenkrise der USA und wachsende Signale für eine weltweite konjunkturelle Abkühlung lösten in der vergangenen Woche regelrechte Panikverkäufe an den Märkten aus. Die Unternehmen verloren insgesamt 2,5 Billionen Dollar an Börsenwert.
Der EZB-Rat werde auch über Maßnahmen beraten, die Kapitalmärkte bei einem massiven Abzug von Geld liquide zu halten, hieß es in den Kreisen weiter. Zum Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken weltweit ihre Schleusen geöffnet, als die internationalen Geldströme wegen des um sich greifenden Misstrauens versiegten. Die Telefonkonferenz sei auf den Abend gelegt worden, weil die EZB abwarten wolle, was die USA zur Beruhigung der Märkte unternähmen. „Der wichtige Teil im Gesamtbild sind jetzt die USA“, hieß es in den Kreisen.
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